Hier der zweite Bericht im Monat Mai, damit der Kritiker seine Statistik weiterführen kann. In Afrika gilt diesbezüglich ein anderer Rhythmus…

Nach einer Visite in Kumasi, der zweitgrössten Stadt Ghanas mit dem grössten Markt in Westafrika (wieder so ein Markt…) machen wir einen Abstecher zum Lake Bosumtwi. Wir haben gehört, dass dieser Ort ziemlich idyllisch sein soll und man sich dort gut entspannen kann. Dort angekommen treffen wir auf unzählige Sammeltaxis, Autobusse etc. Riesige Musikanlagen sorgen für laute Unterhaltung. Die Leute feiern den 1. Mai und lassen es krachen. Uns ist das fast zuviel. Nachdem die 1.-Mai-Fete gegen den späteren Nachmittag vorbei ist wird es ruhiger und wir hören nur noch die Musik der Natur. Wir spüren das erste Mal die Regenzeit. Ein heftiger Regen spült uns beinahe Rebi weg.

Natürlich werden wir auch in Ghana an zahlreichen Polizei-Check-Point gestoppt. Die meisten wollen bloss ein Schwätzchen mit uns halten. Unsere Methode, den Beamten gleich mit einer Frage zu konfrontieren klappt wunderbar. Einen Polizisten fragen wir als Scherz nach dem Weg zu einem Ort, welchen wir bereits passiert haben. Er reagiert überrascht uns versucht uns klarzumachen, dass wir in die falsche Richtung fahren. Wir tun so als wir ihm nicht glauben. Als Bestätigung will er einen Passanten als Zeugen beiziehen. Dieser hat keine Ahnung und zeigt in unsere Fahrtrichtung…! Das bestätigt uns, weiterhin mindestens drei Mal nach dem Weg zu fragen.

Nach zwei Monaten ohne Strand und Meer dürfen wir die Küste von Ghana geniessen. Wir machen an verschiedenen Stationen halt. So auch in Cape Coast. Dort steht ein altes Castle aus der Kolonialzeit, welches unter andrem als Sklavenumschlagplatz diente. Die längste Zeit verbringen wir in der wunderschönen Green Turtle Lodge. Wir können direkt auf dem Sandstrand unter Palmen campieren. Wir zwei Obrunis – so werden die Weissen in Ghana genannt, gerufen, angesprochen – machen hier Aktivferien mit diversen Spiel- und Sportarten…

Nach den Strandferien an der herrlichen Küste ist wieder Büroarbeit in der Hauptstadt angesagt. Diesmal wollen wir gleich drei Visas besorgen, nämlich für Togo, Benin und Nigeria. In Accra werden wir herzlich von Beni und Beza und ihren zwei herzigen Kindern aufgenommen. Bei ihnen werden wir verwöhnt mit Essen, klimatisiertem Schlafzimmer, guter Unterhaltung und Unterstützung in Rebi auf Vordermann bringen. Ein ganz grosses Dankeschön den Gastgebern. Es ist toll solch nette Leute kennen zu lernen! In Accra reparieren wir unseren ersten Reifen nach 13000 km – ein Nagel führte zu einem leichten Luftverlust hinten rechts… Reparaturkosten: CHF 2.40 (wir sind noch auf der Suche nach einem Sponsor für unsere erste Reifenpanne). Mit den Visas klappt auch alles bestens und somit kann die Reise weitergehen.

Via Volta Lake – einem der grössten Stauseen weltweit – erreichen wir eine grüne, hügelige Landschaft. Wir tauschen unsere Flip-Flops wieder einmal mit unseren Wanderschuhen und besuchen über einen schönen Wanderweg diverse Höhlen und Wasserfälle.

Am 20. Mai 2010 verlassen wir Ghana an einem kleinen Grenzübergang in Richtung Togo. Dank unserer Hilfe kann der Togo-Zöllner auch unsere Dokumente korrekt ausfüllen und unsere Fahrt geht über eine schmale, löcherige Strasse über üppig grüne Hügel. Landschaftlich wirklich ganz schön. Unterwegs wechseln wir wieder das Gebiss (Sprache wieder Französisch) und leben nach der afrikanischen Uhr. Das heisst mit den Hühnern ins Bett und deren männlichen Kumpels verdanken wir es, dass der afrikanische Morgen um einige Stunden länger dauert als derjenige in der Schweiz…

Im Gegensatz zum touristischen, einigermassen entwickelten Ghana ist hier in Togo in Sachen Tourismus nicht viel los. Es gibt zwar einige Unterkünfte aber die Touristen bleiben wegen der politisch unstabilen Lage der letzten Jahre aus. Eines ist überall gleich: man fragt nach unseren Telefonnummern und Adressen, damit wir ihnen irgendwann helfen können, um nach Europa zu reisen…