Von Gambia aus geht’s problemlos über die Grenze in den südlichen Senegal, die Casamance-Region. Wir steuern Richtung Atlantik, wo wir über eine Schlagloch-an-Schlagloch-Strasse nach Kafountine gelangen. Das kleine Dorf mit ungefähr 5000 Einwohnern liegt direkt am Strand und lebt hauptsächlich vom Fischfang. Aber die zahlreichen Unterkunftsmöglichkeiten zeigen, dass dieser Ort in Zukunft auch auf den Tourismus setzen will. Zurzeit sind wir jedoch beinahe die einzigen. Am dritten Tag in Kafountine fahren wir mit einem Boot durch die dortigen Mangrovenwälder. Die Angelversuche bringen leider keinen Erfolg, aber wir geniessen die üppig grüne Landschaft. Auch besuchen wir zwei kleine Dörfer auf Inseln. Diese Leute leben hauptsächlich vom Hanfanbau. In Kafountine treffen wir auch auf Franzosen, welche wir bereits einmal an der Marokko/Mauretanien-Grenze getroffen haben. Mit diesen haben wir ebenfalls eine gute Zeit. In einer Nacht lassen wir unser kleines Schiebefenster offen stehen, damit der Wind den Innenraum etwas abkühlt. Gegen 4 Uhr Morgens hört Adrian etwas rascheln. Im Halbschlaf schaut er auf und sieht einen Arm durch das Fenster ins Auto greifen. Der Versuch, den Dieb zu packen und dingfest zu machen misslingt. Er entwischt. Sofort prüfen wir, ob was fehlt. Und promt, das Necessaire von Bruno ist verschwunden. Am nächsten Morgen finden wir es in der Nähe wieder. Lediglich das Deodorant ist verschwunden…
Weiter geht’s nach Ziguinchor, wo wir das Zolldokument für Rebi verlängern müssen, damit es keine Probleme mit der Polizei gibt. Aber unsere Zeit in Senegal ist schon bald zu Ende, das Visum läuft am 23. März 2010 aus. Also geht’s nach einer Nacht bereits wieder weiter. Unseren nächsten Stopp legen wir in Kolda ein. Auf dem Weg begegnen wir viel Militär. Dies zeigt uns, dass die Casamance noch immer ein Rebellengebiet ist. Bis auf den kleinen Raubversuch machen wir jedoch keine schlechten Erfahrungen. Rechts und links der Strasse gibt’s unzählig schöne Dörfer, wo die Kinder uns zurufen und zuwinken. Das Lachen zeigt die weissen Zähne in ihren dunklen Gesichtern und ist immer schön zu sehen. Trotz den ärmlichen Verhältnissen können diese kleinen Geschöpfe ihre Fröhlichkeit zeigen.
Über mehr oder weniger gute Strassen geht’s über Tambacounda an die Grenze zu Mali. Es ist immer noch heiss, die Tagestemperaturen erreichen gut 43 Grad. Wir wollen am Sonntag, 21. März 2010 die Grenze passieren. Die Zöllner sind heute jedoch nicht auf unserer Seite. Anstatt den üblichen CFA 5000 (ca. 11 Franken) wollen sie den dreifachen Preis. Schliesslich sei Sonntag und da würden sie normalerweise nicht arbeiten. Aber für CFA 15’000 würden wir die Dokumente bekommen und könnten in Mali einreisen. Wir beschliessen, die Nacht zwischen den zwei Grenzposten zu verbringen und die CFA 10’000 zu sparen.
Im heissen Ecken von Mali, in Kayes – die Michelinkarte gibt eine Durchschnittstemperatur von 46 Grad an für diese Jahreszeit – beschliessen wir, nicht auf der Hauptverbindungsstrasse nach Bamako zu fahren. Über eine wirklich schlechte Strasse geht’s vorbei an herzigen kleinen Dörfchen entlang dem Senegal-Fluss. Unser geplanter Ausflug zu schönen Wasserfällen müssen wir jedoch abbrechen, die Strassenverhältnisse sind zu schlecht. Wir wollen das hohe Risiko, in dieser abgelegenen Gegend eine Panne zu haben, nicht eingehen.
Mit einer Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h erreichen wir ein kleines Dorf mit Rundbauten und Strohdächern. Dort dürfen wir übernachten. Wir sind sofort die Attraktion im Dorf und es versammelt sich die halbe Gemeinschaft um uns und beobachtet uns, wie wir uns waschen, wie wir kochen, essen usw. In diesem Dorf befindet sich auch das Lokalradio Fansané mit seiner Sendeanlage. Der Radiodirektor lädt uns zu einem Besuch des Radiosenders ein. In zwei kleinen Räumen befinden sich Studio I und Studio II. Viele Kasetten sind aufgestapelt, aber auch ein Kartenleser und ein MP3-Player sind vorhanden. Der Strom kommt von Autobatterien. Die Sendeanlage hat eine Reichweite von 80 Kilometern. Nun wissen wir auch, was die vielen Ziegen- und Rinderhirte den ganzen Tag mit ihren tragbaren Radios hören… Am nächsten Morgen machen wir noch Recycling à la Afrique: Wir haben unseren Abfall die letzten Tage in einer Kartonkiste gesammelt. Der Radiochef fragt uns, ob wir diese Kiste noch brauchen. Natürlich nicht. Er schaut kurz in die Kiste und gibt dann den Kindern ein Zeichen, welche sich anschliessend auf die Kiste stürzen. Innert Sekunden ist bis auf Rüstabfälle nichts mehr übrig. Die Kinder schnappen sich Petflaschen, Blechdosen, etc. Ein kleiner Junge konnte ein Teebeutel ergattern – aber auch er hatte ein Grinsen im Gesicht.
Zwei weitere Nächte verbringen wir auf dem Camping „Bully“ bei Manantali. Ein wirklich gemütlicher Platz direkt am Flussufer inmitten von Bananen-, Mango- und Papayabäumen. Bully gibt sich viel Mühe mit seinen Anbaukünsten und wir können seine Früchte auch probieren. Nach den coolen Tagen bei Bully fahren wir weiter in Richtung Bamako, Malis Hauptstadt. Die ersten 100 Kilometer sind wieder recht mühsam, wir kommen nur langsam voran. Dafür werden wir danach mit einer super neuen Strasse belohnt, für welche sogar eine Gebühr erhoben wird. Rebi wird wieder mal auf 100 Sachen beschleunigt. Für Rebi waren es wohl die härtesten drei Tage auf diesen abgelegenen Strassen.
In Bamako sind wieder Mal die Hauptstadt-Aufgaben angesagt: Visas für die folgenden Länder besorgen. Die Temperaturen um die 40°C vereinfachen es nicht gerade. Wir sind den ganzen Tag schlapp und müssen uns fast Quälen, uns zu bewegen.