Als erstes: uns geht es gut! In den letzten Tagen haben wir wieder viel Zeit zusammen mit Rebi auf afrikanischen Strassen verbracht.

Den Norden Nigerias erfahren wir ohne Probleme und mit bedeutend weniger Kontrollen. Die Leute im muslimischen Norden begegnen uns besonders freundlich. Die Vegetation verändert sich in eine trockene Sahellandschaft. Der Yankari-Nationalparks enttäuscht uns: keine Elefanten, keine Büffel, keine Löwen. Dafür lassen uns die Affen wieder einmal nicht in Ruhe. Nachdem sie uns am Morgen wecken, klauen sie uns auch noch das Brot aus dem Auto.

Am 11. Juni 2010 beginnt die Fussball-WM. Wir stellen fest, dass es nicht immer einfach sein wird, die Spiele zu verfolgen. Oft werden die Spiele nur über einen kostenpflichtigen Satelitenkanal gesendet, welchen sich die „normalen“ Afrikaner nicht leisten können. Das erste Nigeria-Spiel können wir nach langem suchen doch noch in einer Wellblechhütte mitverfolgen. Jedoch nicht gratis, der Eintritt kostet umgerechnet 25 Rappen. Während dem Spiel verschwinden andauernd Leute um ihren Gebeten nachzukommen. Die erhoffte Party bleibt aus, somit setzten wir unsere Hoffnungen auf Kamerun. Pünktlich zum Spiel Kamerun-Japan erreichen wir Maroua, eine Stadt im Norden Kameruns. Aber auch diese Party fällt wortwörtlich ins Wasser. Ein Gewitter sorgt für Unterbrüche der Übertragung, die Stimmung der trinkfreudigen Kameruner kann so was jedoch nicht beeinträchtigen. Kamerun verliert gegen die Japaner. Es gibt aber doch noch eine Party in Maroua: Und was für eine! Dank der Schweizer Nati gibt es für uns wieder mal ein grosses Bier. Während dem Match können wir viele Fussballfans auf Schweizer-Seite ziehen.

Von Maroua geht’s in die schöne Bergregion rund um Rhumsiki, welche wir auf einer 4-stündigen Wanderung erkundschaften. Die Lebensverhältnisse haben sich im Gegensatz zu Abuja wieder total verändert. Man lebt in einfachen Lehmhütten gedeckt mit Stroh oder Wellblech und nach alten Traditionen. Die Felder werden meist von Hand, mit Esel oder Ochsen bearbeitet.

In Garoua werden wir von einer grossen Fan-Arena überrascht. Genau das Richtige, um das zweite Kamerunspiel gegen Dänemark zu verfolgen. In der ganzen Stadt wird bereits am Morgen von der Party nach dem Spiel gesprochen. Auch wir sind optimistisch und erscheinen in unseren neu erworbenen Kamerun-Shirts. Die Einheimischen sind begeistert, die Stimmung ist super! Kamerun erziehlt das erste Tor, die Menge scheint nicht mehr zu bremsen zu sein. Es soll aber wieder nicht sein und unsere lieb gewonnenen Kameruner verlieren erneut.

Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt in Richtung Süden. Zuvor warnt uns ein Lokaler vor Banditen, welche auf den Strassen ihr Unwesen treiben. Hmm, solche Warnungen hören wir selten von Einheimischen. Meist wird gesagt, dass das eigene Land das sicherste auf dem Kontinent sei… Keinen Kilometer gefahren, stoppt uns ein Polizist. Keine Ahnung weshalb. Bald gesellen sich noch zwei seiner Kollegen dazu. Sie verlangen all unsere Fahrzeugpapiere und mehr. Alles wollen sie haben – irgendwie kommt uns das seltsam vor. Während unseren Verhandlungen scharen sich immer mehr und mehr Leute um uns und warnen uns vor den „Polizisten“, welche von uns verlangen, ihnen aufs Kommissariat zu folgen. Keiner dieser drei Clowns kann uns jedoch sagen, warum. Zum Teil haben sie wohl bereits den einen und anderen Schluck Schnaps intus. Dann kommt es zu unglaublichen Szenen: Wir drehen den Schlüssel des „Polizei-Motorrades“ und nehmen ihn an uns, die Leute jubeln und klatschen – sie feuern uns richtiggehend an, uns den Beamten zu widersetzen. Mit den Einheimischen im Rücken können wir es riskieren, unsere Dokumente mit Gewalt zurückzuholen! Ob es wirklich echte Polizisten oder Räuber waren, wissen wir bis heute nicht. Sauber war die ganze Sache sicher nicht und dank der einheimischen Bevölkerung, welche sich mit einem Aufstand hinter uns gestellt hat, sind wir wieder Mal davon gekommen!

Auf der Weiterfahrt besuchen wir den Lac Lagdo, die Landschaft wird vermehrt grüner und saftiger. Am Dienstag schauen wir uns die Schweizer Niederlage gegen Chile in N’Gaoundégé an. Diese Stadt gilt laut unserem Reiseführer als nicht ganz ungefährlich. Uns wird sie jedoch von Stunde zu Stunde sympathischer.

Unterwegs in Kamerun sind wir ständig am Winken – wie in anderen ländlichen Regionen zuvor. Kamerun war bereits bei unserer Abfahrt ein grosses Thema. Wir sind zur schlimmsten Zeit, der Regenzeit, hier. Und dann sind die Strassenverhältnisse besonders schlecht. In der Tat, es gibt immer wieder starken Regen und die Strassen werden in Richtung Süden nicht besser! Oft müssen im Schlamm versunkene LKWs mit schweren Baumaschinen geborgen werden. Hinzu kommt das erhöhte Malaria-Risiko in dieser feuchten Region. Kamerun ist ein Malarialand mit hohem Risiko – das heisst für uns noch mehr Vorsicht: Anti-Mücken-Spray, lange Hose und langärmliges Hemd am Abend sind Pflicht. Und wenn wir dann müde sind, schlüpfen wir unter unsere Moskito-Netze und lassen die afrikanischen Nächte auf uns wirken…